Interview mit Dr. Alberto Villoldo

Dr. Alberto Villoldo, US-amerikanischer Anthropologe, Ex-Professor, Schamane und Autor zahlreicher Bücher, gilt als Experte dafür, wie man sein Lebern durch Bewusstseinsarbeit positiv verändern und auf eine neue Bewusstseinsstufe gelangen kann.

 

Er hat eine eigene Schule gegründet, in der er diese Methoden lehrt, unter anderem, wie man Trauer loslassen kann, den Schmerz in Freude verwandeln kann und dadurch ein glückliches und erfülltes Leben führen kann.


Alberto Villoldo gehört schon seit längerer Zeit zu meinen Lieblingsautoren. Nicht nur, weil er ein enormes Wissen über transformative Prozesse hat, sondern vor allem auch, weil alles, was er schreibt, authentisch ist. Man spürt beim Lesen, dass er die Dinge selbst erlebt und durchgearbeitet hat. Und dadurch bekommt man den Mut, diese Themen auch selbst anzugehen.

 

Während eines Workshops in München – Villoldo kommt fast jedes Jahr nach München - hatte ich die Gelegenheit zu einem Kurzinterview mit ihm über das Thema „Trauer und Loslassen“, das viele Menschen beschäftigt. Gerade auch in unseren bewegten Zeiten, in denen Terroranschläge die Menschen verunsichern und Trauer ein Thema ist.

Interview mit Alberto Villoldo

Marianne Scherer: Was ist der Ursprung der Trauer?

Alberto Villoldo: Meiner Erfahrung nach liegt der Grund, warum viele Menschen nach dem Verlust einer nahestehenden Person so traurig sind, darin, dass sie mit diesem Menschen etwas nicht zu Ende gebracht haben. Sie haben vielleicht nicht gesagt „ Ich liebe dich“ oder „Ich vergebe dir“. Und so bleibt etwas offen. Wenn keine Vergebung stattgefunden hat, kann die Seele des Verstorbenen sich nicht ablösen. Sie wird sich an das Energiefeld des Lebenden heften und diese Person wird das Leid des Verstorbenen spüren und umso trauriger sein. 

 

MS: Es ist also nicht nur die eigene Traurigkeit mit der man zu kämpfen hat?

AV: Richtig. Deshalb sollte unbedingt ein Ablösungsritual durchgeführt werden, durch das man mit der Person, die gegangen ist, Frieden schließt und damit die alten Rechnungen begleicht. Am besten ist es, ein solches Ritual schon durchzuführen, wenn der Tod eines nahestehenden Menschen absehbar ist, denn Vergebung ist für beide Seiten essenziell. Der zweite wichtige Punkt besteht darin, jemandem die Erlaubnis zu geben, dass er oder sie stirbt. Wenn beispielsweise die Mutter im Sterbeprozess ist, sollte man ihr bewusst erlauben zu gehen. Man kann z. B. sagen: „Es ist in Ordnung, Mutter, wenn du jetzt gehst. Alles ist gut“. Denn wenn die Mutter diese Erlaubnis nicht hat, kann sie sich nicht so gut ablösen. Sie wird sich Sorgen machen und auch noch nach dem Tod an ihren Kindern oder auch an ihrem Mann, der sie nicht losgelassen hat, festhängen. Das behindert den Aufstieg der Seele in andere Ebenen.

 

MS: Wie ist es, wenn jemand sehr plötzlich stirbt, etwa bei einem Unfall?

AV: Auch da kommt es darauf an, in welchem Zustand man gestorben ist. Wenn noch viele unbezahlte Rechnungen offen sind, ist es besonders schwer, sich von der irdischen Ebene zu trennen. Dazu kommt noch der Schock des plötzlichen Ablebens. Das ist eine Situation, in der man unbedingt ein Vergebungsritual durchführen sollte.

 

MS: Wie sehen schamanische Rituale aus?

AV: Bei den Schamanen kommt die ganze Familie 28 Tage lang zusammen und hilft der Seele des Verstorbenen, in andere Gefilde zu gehen. Dies geschieht durch Gebete, Anrufungen und Trommeln. Oft wird dabei auch ein Feuerritual praktiziert. Doch die Rituale können ganz verschieden sein. Wichtig ist, dass zuerst dem Verstorbenen geholfen wird, sicher ins Jenseits zu gelangen. Erst danach gibt es Raum für den Schmerz, der leichter zu ertragen ist, wenn man zuvor dem Verstorbenen geholfen hat. Nach der Zeit der Trauer wenden sie sich wieder dem Leben zu, das sie als Geschenk betrachten und respektieren.

Ablöserituale, die man selbst durchführen kann

Alles, was man von Herzen tut, ist ein Ritual. Man kann auf bekannte Rituale zurückgreifen oder sein eigenes Ritual schaffen. Man sollte sich auf jeden Fall genügend Zeit nehmen und einen geschützten Raum schaffen. 

 

1. Briefritual

Verfassen Sie einen Brief an den Menschen, der gegangen ist, sei es durch Tod oder aus einem anderen Grund. Sie können dazu ein Foto dieser Person vor sich aufstellen. Schreiben Sie sich alles ohne zu zögern von der Seele. Wagen Sie, auch das auszudrücken, was Sie noch niemals ausgesprochen haben. Seien Sie so ehrlich wie möglich! Zensieren Sie das Geschriebene nicht, sondern stecken Sie das Papier in einen Umschlag. Sie können den Brief an einem besonderen Ort aufbewahren oder ihn beispielsweise in Ihrem Garten oder im Wald im Boden vergraben.

 

2. Feuerritual

Schreiben Sie auf einen Zettel, worum Sie den Verstorbenen am meisten um Verzeihung bitten. Es können auch mehrere Zettel sein. Halten Sie den Zettel kurz an Ihr Herz und übergeben Sie ihn dann achtsam den Flammen.

Schreiben Sie dann auf einen weiteren Zettel, was Sie dem Verstorbenen vergeben möchten. Seien Sie so präzise wie möglich. Atmen Sie tief aus, während Sie den Zettel dem Feuer übergeben, und lassen Sie damit das Alte los.

Meine aktuellen Lieblingsbücher

One Spirit Medizin

Von Alberto Villoldo

Als Alberto Villoldo schwer krank war, ist es ihm gelungen sich selbst zu heilen, und zwar durch eine Synthese aus schamanischen Methoden wie Fasten, Meditieren und Visionssuche sowie mithilfe von aktuellen Erkenntnissen aus der modernen Wissenschaft. Durch konsequentes Entgiften von Körper und Geist ist es ihm gelungen, in sechs Wochen seinen Körper auf Zellebene neu zu erschaffen und dadurch gesund zu werden.  Wie das funktioniert, beschreibt er in seinem Buch ONE SPIRIT MEDIZIN. 

 

Was mich daran besonders fasziniert, ist die Verbindung von uraltem schamanischem Wissen mit den Erkenntnissen der modernen Gehirnforschung. Wirklich genial und absolut lesenswert, auch wenn man nicht krank ist! Das Buch enthält neben erstaunlichen Erkenntnissen auch viele praktische Übungen und auch Rezepte, mit denen man sich in jeder Hinsicht etwas Gutes tun kann.


Das erleuchtete Gehirn

Von Alberto Villoldo

Auch absolut lesenswert finde ich das Buch DAS ERLEUCHTETE GEHIRN, in dem die Erkenntnisse der Neurowissenschaft in Beziehung zu alten spirituellen Weisheiten gesetzt werden.

 

Ich hatte dabei etliche Aha-Erlebnisse und vermute, dass es auch vielen anderen Lesern so gehen könnte.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Zum Newsletter anmelden und kostenlose Sonnenyoga-Meditation erhalten

Marianne Scherer

Sedanstrasse 33

81667 München

 

Telefon: 089 / 44 14 17 98

Mobil: 0173 / 36 27676

info@mariannescherer.de

 

Bildquelle Hintergrundbild: Pixabay @ Free-Phots