Swara Yoga - Atmen im Gehirn

Coverbild mit Blüten für Blogartikel Swara Yoga Atmen im Gehirn von Marianne Scherer

„Swara“ bedeutet Atem, und darum geht es in der Wissenschaft des Swara Yoga, der im Westen wenig bekannt ist. Im Swara Yoga stehen der alternierende Atemfluss in den beiden Nasenlöchern und die Verbindung des Atems mit dem Gehirn im Vordergrund.

 

Die aus dem Tantrismus stammende Yogatechnik lehrt, dass der Atem nicht gleichmäßig durch beide Nasenlöcher fließt, sondern in bestimmten Abständen wechselt, normalerweise in einem Rhythmus von 60 bis 90 Minuten. Dieser Rhythmus steht im Zusammenhang mit den verschiedenen Mondphasen und den Planetenkonstellationen.

Die Gehirnhemisphären lassen sich durch das Atmen aktivieren

Der Atemfluss ist in direkter Verbindung mit den Nadis Ida und Pingala, die dem lunaren und solaren Prinzip entsprechen, und mit den beiden Gehirnhemisphären verbunden sind. Fließt der Atem durch das linke Nasenloch, wird die rechte Gehirnhälfte aktiviert, fließt er durch das rechte Nasenloch wird die linke Gehirnhemisphäre aktiviert.

 

Durch das bewusste Lenken des Atems durch eines der beiden Nasenlöcher kann ein Swara Yogi unmittelbar auf Körper und Psyche einwirken und damit konkrete Veränderungen erzielen. Die entsprechenden Techniken waren ursprünglich geheim und wurden nur an fortgeschrittene Yogis weitergegeben. Heute sind sie für jeden zugänglich, der diese hoch entwickelte Wissenschaft vom Atem erlernen möchte.

Rechte und linke Gehirnhemisphäre

Die beiden Gehirnhälften haben verschiedene Aufgaben. Während die linke Gehirnhälfte für Sprache, Logik, Analyse und Ratio zuständig ist, werden der rechten Hemisphäre u. a. intuitive, kreative und visuelle Fähigkeiten zugeschrieben. Die linke Hemisphäre ist mit dem rechten Nasenloch und dem Pingala Nadi verbunden, die rechte mit dem linken Nasenloch und dem Ida Nadi. Durch die Swara-Atmung werden über die Nadis die Gehirnhälften aktiviert.

 

Jede Art von Meditation verändert das Gehirn. Dies ist durch wissenschaftliche Gehirnscans, die bei Yogis und langjährig Meditierenden durchgeführt wurden, inzwischen einwandfrei bewiesen. Menschen, die lange meditieren, weisen während der Meditation eine erhöhte Frequenz von Gamma-Wellen auf, jenen Gehirnwellen, die mit höherer geistiger Aktivität, starker Konzentration und Lernprozessen in Verbindung gebracht werden.

 

Auch die kognitive Kapazität nimmt zu und der Alterungsprozess des Gehirns wird gestoppt. Selbst die Emotionen stehen neuesten neurologischen Erkenntnissen zufolge im Kontext mit den Gehirnhälften. So gilt die rechte Hemisphäre als die traurige Hälfte und die linke als die glückliche.  

Den Atem aufmerksam beobachten

Aufmerksames Beobachten des Atems bei allem was man tut, ist oberstes Gebot des Swara Yoga. Und natürlich muss man wissen, wie die verschiedenen Atemrhythmen im Alltag sinnvoll eingesetzt werden können. Hat man es sich zur Gewohnheit gemacht, den Atemfluss in den Nasenlöchern wahrzunehmen und kennt man zudem die entsprechenden Zuordnungen, wird man schnell bemerken, wie exakt diese Wissenschaft ist.

 

Die Weisheit des Swara Yoga ist indirekt sogar im Volksmund überliefert. Hat jemand schlechte Laune wird das gerne damit erklärt, dass die betreffende Person mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Im Lichte des Swara-Yoga macht das Sinn. Er lehrt nämlich, dass man beim Aufstehen zuerst den Fuß auf den Boden stellen soll, der dem momentanen Atemfluss entspricht.

 

Fließt der Atem beim Aufwachen durch das rechte Nasenloch, sollte man mit dem rechten Fuß aufstehen. Steht man nämlich mit dem linken zuerst auf, erzeugt das eine Disharmonie und der Tag wird entsprechend verlaufen. Steht man also mit dem richtigen Fuß auf, gelingt alles viel leichter.

Den Tag perfekt beginnen

  • Prüfe direkt nach dem Aufwachen, durch welches Nasenloch der Atem verstärkt fließt. Berühre den entsprechenden Nasenflügel kurz mit der entsprechenden Hand (linker Nasenflügel, linke Hand).
  • Stelle beim Aufstehen den Fuß zuerst auf die Erde, der mit dem entsprechenden Swara übereinstimmt. Wenn Ida, also das linke Nasenloch aktiv ist, stehe mit dem linken Fuß auf und gehe zunächst einige Schritte in Richtung Westen oder Süden.
  • Ist Pingala, also das rechte Nasenloch aktiv, stehe mit dem rechten Fuß auf und gehe zuerst einige Schritte nach Osten oder Westen. Durch das Aufstehen mit dem richtigen Fuß bekommt der Tag eine bestimmte Qualität, die im Einklang mit dem „kosmischen Atem“ steht.
  • Prüfe auch beim Verlassen des Hauses die Nasenlochaktivität und verlasse das Haus, indem du den entsprechenden Fuß vor die Tür setzt.
  • Beginne deine Arbeit möglichst während des lunaren Atemzyklus, wenn der Atem durch den linken Nasenflügel strömt. 

Günstige Aktivitäten bei Ida-Swara (linkes Nasenloch)

  • Aufstehen
  • Wasser trinken
  • Streitigkeiten bereinigen
  • Zeremonien, Hochzeiten, Initiationen
  • Sadhana in jeder Form
  • Lange Reisen antreten
  • Kreative Tätigkeiten
  • Karitative Tätigkeiten
  • Sexuelle Aktivitäten für Frauen

Günstige Aktivitäten bei Pingala-Swara (rechtes Nasenloch)

  • Hatha-Yoga
  • Körperliche Aktivitäten, schwere Arbeit
  • Nahrungsaufnahme
  • Herausfordernde Unternehmungen
  • Kaufen und Verkaufen
  • Alle Arten von Reisen
  • Studieren, mentale Aktivitäten
  • Reinigungstechniken (Shatkarma, Kriya etc.)

 

Günstige Aktivitäten bei Sushumna-Swara

Wenn der Atem durch beide Nasenlöcher fließt, treten weltliche Dinge in den Hintergrund. Es ist deshalb der ideale Zeitpunkt für spirituelle Praktiken, speziell in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn der Atem auf natürliche Weise durch beide Nasenlöcher fließt.

 

Auch während der Atem im Laufe eines Tages von einem Nasenloch zum anderen wechselt ist Sushumna aktiv. Das geschieht ca. alle eineinhalb Stunden und dauert etwa zehn Atemzüge lang. Diese Zeiten des Atemwechsels sind ideal für eine kurze Besinnung.

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